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Einbetoniert

Text | Harald Thomeczek

Die Mafia bringt unlieb­same Zeitgenossen zum Schweigen, indem sie diese einmauert. Doch geht das so einfach? Und welche Folgen hat es für das Bauwerk?

In der Regel werden Bauteile bewehrt, eingeschalt und anschließend betoniert. Die Bewehrung – ein Geflecht aus Stahl- oder Eisenstäben – sorgt für größere Stabilität und verstärkt die Tragfähigkeit. Um hier jemanden zur letzten Ruhe zu betten, „sollte man die Person also in jedem Fall einbetonieren, bevor man die Bewehrung durchführt“, erklärt der Betonexperte eines großen europäischen Baukonzerns. „Jemanden in einem bereits bewehrten Bauteil unterzubringen, dürfte schwierig werden.“ Zwischen die Bewehrungsmatten passt ein Mensch schließlich kaum. Jedenfalls nicht am Stück. Pfeiler, z.B. von einer Brücke, sind aufgrund ihrer Form und Größe ideale Grabstätten. In ihnen befindet sich die Bewehrung innen am Rand. Das Objekt sollte also aufrechtstehend möglichst mittig der Gussform positioniert und dort fixiert werden – je mehr Beton es seitlich umschließt, desto stabiler ist die Konstruktion. Am besten eignet sich selbstverdichtender oder leichtverdichtbarer Beton; so ist der Arbeitsschritt mit Betonrüttler nicht notwendig, um Lufteinschlüsse zu verhindern.

Einmal im Beton versunken, ist das Opfer unrettbar verloren. Beton hat eine Rohdichte von etwa 2.400 Kilogramm pro Kubikmeter, während ein herkömmlicher Erwachsener auf gut 1.000 Kilogramm kommt. „Es wäre zu erwarten, dass wir Auftrieb bekommen, wenn wir in flüssigem Beton baden gehen“, erklärt der Baustoffprüfer. „Beton ist aber keine Flüssigkeit: Wenn Sie zu drei Vierteln darin versunken sind, kommen Sie aus eigener Kraft nicht mehr raus. Die Druckbelastung ist zu hoch.“

Es stellt sich die Frage nach der weiteren Standfestigkeit des Pfeilers. „Wo kein Beton ist, ist keine Festigkeit“, hält der Experte fest. Daher sollte das Opfer vorab bewegungsunfähig gemacht worden sein. Durch Bewegungen könnten Hohlräume im Inneren des Bauteils entstehen, die dessen Festigkeit negativ beeinflussen. Wird die Armierung nicht beschädigt, ist die Person vertikal und seitlich fest umschlossen einbetoniert und nimmt sie im Inneren nur wenig Platz ein, hat sie kaum Einfluss auf die Haltbarkeit des Bauteils.

Wem das alles zu kompliziert ist, der kann auf die Sizilianischen Stiefel zurückgreifen, das Einbetonieren der Füße für ein anschließendes Wassergrab. Der Hudson River in New York ist angeblich voll davon. Für diese Methode sollte am besten Hochleistungs­beton verwendet werden, der in kürzester Zeit erhärtet und eine hohe Festigkeit besitzt. Allerdings beginnt der Erstarrungs­prozess auch hier erst nach ein paar Stunden, und eine gute Festigkeit ist erst nach etwa einem Tag erreicht.

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